Wenn Michail Sostschenko, 1885 in Russland geboren, etwas betrieb, dann schien es irgendwo zu knirschen, als passe eins nicht zum anderen, und zwar meist so gewaltig, dass er es selbst bald aufgab. Nur eine der zahlreichen Tätigkeiten, die er nach seinem Jurastudium annahm, darunter Rotarmist, Kriminalpolizist, Geflügelzüchter, Telefonist und Schuhmacher, sollte er fortführen, bis er schliesslich mundtot gemacht würde: das Schreiben. Mit seinen gut beobachteten und scharfzüngig formulierten Geschichten über den einfachen Bürger den vermeintlich Neuen Menschen im bürokratisch- willkürlichen System der Sowjetunion brachte er die Leute in schweren Zeiten zum Lachen. Dabei wurde er selbst Zeit seines Lebens von Depressionen und psychotischen Zuständen geplagt, so dass man ihn auch den „Mann, der niemals lacht“ nannte. Während der Autor selbst ständig von Zweifeln geplagt wurde, war der selbstkritische Blick bekanntlich keine Stärke des herrschenden Systems seines Heimatlandes, so dass man ihn schliesslich durch Ausschluss aus dem nationalen Schriftstellerverband mundtot machte. Dabei sind seine satirischen Geschichten über die Schwächen der Menschen, der Gesellschaft und des Systems auch heute noch aktuell. Dass sie das auch in deutscher Sprache sind, ist vor allem ein Verdienst von Thomas Reschke, der sie zusammengestellt und übersetzt hat. Die Sprache des einfachen Mannes der Strasse mit ihren Verballhornungen der Behördensprache und kunstvollen Umdeutungen offizieller Begrifflichkeiten vermag wohl bis auf Sostschenko selbst, über dessen Lippen bis zu seinem Tod 1958 nicht ein einziges Lachen kam jeden zum Schmunzeln bewegen.
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